Steiermark: längst überholte Rassentheorie wieder en vogue – Alarmierender Anstieg rassistischer Übergriffe und Online-Postings
Zum Internationalen Tag gegen Rassismus macht die Antidiskriminierungsstelle Steiermark auf die drastische Zunahme rassistischer Vorfälle im öffentlichen Raum und im Netz im Jahr 2024 aufmerksam.
Deutlich mehr rassistische Online-Postings in den Jahren 2023 und 2024
In den letzten zwei Jahren haben wir einen besorgniserregenden Anstieg von 52% mehr rassistischer Online-Inhalten im Vergleich zum Jahr 2022 beobachtet. Besonders abscheulich ist die zunehmende Verbreitung geschmackloser und von Rassismus triefender Memes, die die Menschenwürde Schwarzer Menschen gezielt herabsetzen. Solche Inhalte bedienen sich oft abwertender Stereotype und entmenschlichender Darstellungen, um tief verwurzelter rassistischer Ideologien zu verbreiten. Zudem wurde das N-Wort wieder unverblümt in Kommentaren und Beiträgen gepostet, häufig mit der Absicht, Schwarze Menschen zu beleidigen und zu entwürdigen.
„Grausige rassistische Hasspostings in einem Ausmaß, wie wir es seit langem nicht gesehen haben, kursieren im Netz. Die längst überholte Rassentheorie ist wieder en vogue, es ist die Rede vom ‚Great Reset‘, von einem ‚Bevölkerungsaustausch‘; ferner wird von einer ‚Rassenvermischung‘ gewarnt“, betont Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. „Insbesondere seit der Umstellung von Twitter auf X werden rassistische Inhalte kaum noch gelöscht, das N-Wort wird vielfach geliket und geteilt“.
Die rassistischen Übergriffe, die sogenannten Hate Crimes, angeheizt durch den Wahlkampf 2024 und die dazugehörige Medienberichterstattung, richteten sich insbesondere auf Frauen mit muslimischem Kopftuch und Schwarze Menschen: Verbale Attacken, Bespuckungen bis hin zu Körperverletzungen – diese Übergriffe offenbaren eine neue Dimension bei vorurteilsmotivierten Hassverbrechen.
664 Fälle zum Thema Diskriminierung behandelte die Antidiskriminierungsstelle Steiermark im Jahr 2024. Davon betrug die ethnische Diskriminierung inklusive Hautfarbe 31,78%
Der Alltag blieb wie in den Jahren zuvor auch im Jahr 2024 mit 34.04% der Raum, in dem Menschen am stärksten von Rassismus und Diskriminierungen betroffen waren.
Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark bedauert, dass es noch immer zu wenig gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit getan wird und erhofft sich, wie im neuen Regierungsabkommen beschrieben¹, einen Nationalen Aktionsplan (NAP) gegen Hate crimes, um Rassismus zu stoppen und präventiv dagegen zu wirken.

¹ Siehe Regierungsabkommen S 108